„The Prince of Tides“ und wie ich fast ein großartiges Buch verpasst hätte

Ich hab da mal von meiner Freundin Sandra, die einen sehr guten Geschmack hat, ein Buch empfohlen bekommen. Ruckzuck gebraucht in diesem Internet gekauft, ausgepackt und… hm. Das Cover des Buches löste in mir so einen starken Widerwillen aus, dass ich das Buch erstmal liegen ließ. Und dann noch der Titel! Irgendwas mit nem Prinzen, bestimmt so Mädchenkram. Hmpf. Der deutsche Titel des Films „der Herr der Gezeiten“ hört sich auch irgendwie nach Fantasy an… Jaja, ich bin voller Vorurteile… Fast 15 Monate hat es gedauert, bis ich mich herangetraut habe. Das Cover zeigt übrigens Bilder aus der Verfilmung des Romans*

prince of tides

Zum Inhalt: „Savannah hat einen an der Waffel“ So lautete das Fazit meines Freundes, nachdem er eine zufällige Seite aus dem Buch gelesen hat. Soweit korrekt, aber ein bisschen komplexer ist es dann doch.

Tom Wingo verlässt sein Zuhause in South Carolina samt Frau und Kindern um in New York mit der Psychologin seiner Zwillingsschwester Savannah zu sprechen. Die hat nämlich mal wieder versucht, sich umzubringen. Nach und nach erzählt Tom der Psychologin die Geschichten seiner Familie an die Savannah sich nicht erinnert. Keine leichte Kost: der Vater ein Krabbenfischer, jähzornig, gewalttätig und grausam, die Mutter ein Opfer, die ihre eigene Art hatte mit den Ausfällen des Ehemanns umzugehen. Die Großeltern, der große Bruder Luke, dessen Schicksal lange im Dunkeln bleibt. Nach und nach fügt sich alles zusammen, es gibt bis zum Schluß einen Spannungsbogen. Durch die verschiedenen Ebenen wird die Geschichte sehr komplex, auf 650 Seiten (von denen ich keine einzige langweilig fand) erzählt Pat Conroy vom Südstaatenleben, von Familie, von Liebe und Grausamkeiten. Teilweise absurd und John Irving-esk (die Versuche des Vaters außerhalb der Shrimping-Saison Geld zu machen), teilweise konnte ich schmunzeln und ganz oft habe ich mitgelitten.

Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir eine andere Wendung gewünscht, aber alles in allem ein tolles Buch. Ausdrückliche Empfehlung!

Der deutsche Romantitel lautet übrigens „die Herren der Insel“ – Auf Deutsch ist das Buch bei amazon** nur gebraucht zu bekommen. Vermutlich auch mit hässlichem Cover.

Habt ihr auch tolle Bücher mit schrecklichem Cover? Welche? Zeigt sie mir, keine falsche Scheu. Vielleicht können wir eine kleine Serie draus machen – „schrecklich schöne Bücher“ oder so ähnlich***

*OMG, den Film möchte ich NICHT sehen! (Meine Neugier war allerdings wie immer stärker als jede Vernunft und ich hab mir den Trailer angesehen. GOTT SEI DANK erst, als ich mit dem Buch schon so gut wie durch war.) Aber ich frage mich dann doch, wie man so eine komplexe Story adequat in einem Film unterbringen kann. Ich glaube, dass der Film mit dem Buch recht wenig zu tun hat und ein übler Liebeskitsch ist, dem Trailer nach zu urteilen. Hat jemand den Film gesehen? Und vielleicht/hoffentlich auch das Buch gelesen und kann meine Vermutung bestätigen?

**Der Link ist ein Partnerlink zu Amazon. Wenn ihr dort etwas kauft, bekomme ich dafür ein bisschen Geld. Wenn ihr genügend kauft, kann ich meinen Job an den Nagel hängen und Fulltime-Blogger werden. Dafür müsstet ihr aber sehr, sehr, viel kaufen. Unrealistisch viel. Mir wäre es außerdem eh lieber, wenn ihr das Buch in der stationären Buchhandlung eures Vertrauens kauft.

***wer nen besseren Vorschlag hat, der melde sich bitte umgehend. Ich bin halt kein Werbetexter…

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6 Kommentare

  • Nike sagt:

    So. Weil ich mir im Moment auf keinen Fall noch mehr Bücher kaufen kann (der Stapel hier wird & wird nicht kleiner) hab ich mir jetzt extra wegen Dir ein Goodreadsprofil angelegt. Du olle Bedarfsweckerin. Da pack ich jetzt alle Deine Empfehlungen in die to-read Liste & nach dem Boyle Jahr 2013 gibts für mich dann ein proof-of-the-pudding-Empfehlungsjahr 2014!
    Grüße
    Nike
    Ps. Mein schlimmstes Cover findeste bei ig #schrecklichschönebücher

  • Ich kann sehr gut verstehen, dass du das Buch solange im Regal hast stehen lassen. Das Cover ist ja SCHRECKLICH!!! Aber ansonsten klingt das Buch ja gar nicht so verkehrt.
    Ich überleg grad, so ad hoc fällt mir nur „Der Zorn der Götter“ ein, das habe ich mal von meiner Tante geschenkt bekommen und ich dachte nur „mmh, aha… schöööön^^“. Aber eigentlich war es gar nicht so doof.
    Liebe Grüße, Goldengelchen

  • Fee sagt:

    Ich kann hier keine Vergleichsdaten beisteuern, denn (ja ja ja) hässliche Bücher kaufe ich erst gar nicht. Wer zum Teufel lässt auch Menschen ohne Geschmack ans Layout?!

  • extrafruity sagt:

    Oh, ich muss mal im Regal schauen, die schönsten Bücher haben wir ja schon gezeigt, wieso also nicht die hässlichsten? :-) Spontan fallen mir die Bücher von David Eddings ein, die so richtig schöne 80er-Jahre-Fantasy-Trash-Titelbilder haben. Ich schau mal nach, das ist ja wieder mal ein Thema für mich. ;-)

    Das Buch an sich klingt auf jeden Fall gut und wird mal auf die irgendwann-lesen-wenn-Zeit-ist-Liste gesetzt ;-)

  • Ich kann mich Denise nur anschließen: Vollstes Verständnis für dein Abgeschrecktsein bei diesem Cover… Mir fällt grad kein so richtig schauriges Cover ein, aber ich schau noch mal genauer nach. Sobald ich wieder Muße für irgendwas hab ;-)

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