Tagebuchbloggen

Am fünften eines Monats ruft Frau Brüllen zum gemeinsamen Tagebuchbloggen auf. Heute hab ich dran gedacht und zum ersten mal mitgemacht.

open air kino wilhelmsburg

7:30 – Der Wecker reißt mich erbarmungslos aus dem Schlaf. Gleichzeitig erinnert mich eine Notiz daran, heute einen Kaffee von zuhause mitzunehmen. Eigentlich mache ich das nicht (aus Sicherheitsgründen. Halbschlaf + heiße Herdplatte = Gefahr). Heute handelt es sich um einen Notfall, da die Bürokaffeemaschine kaputt ist und das Ersatzgerät gestern auch kaputt ging. Horror. Kein Kaffee ist keine Lösung, also selbst kochen. Schmeckt eh besser. Ich checke kurz die wichtigsten Vorkommnisse auf meinem Smartphone, stelle den Wecker neu und drehe mich nochmal rum. Ich bin unfassbar müde, obwohl ich länger als sieben Stunden durchgeschlafen habe. Das Wecker neu stellen und wieder rumdrehen Spiel läuft noch ein paar Runden. Irgendwann beschließe ich, dass ich doch demnächst mal aufstehen muss.

8:45 – ich bin aufgestanden und kann selbst nicht fassen, wieviel Zeit ich verschlafen habe. In leichter Panik haste ich ins Bad, lasse nebenbei Alsterradio im Livestream über mein Handy laufen, weil die Batterie im Badradio leer ist. Zum Duschen benötige ich 3 Minuten, Haare gehen heute nochmal so. Ich putze Zähne, klatsche etwas Make-up ins Gesicht und ziehe mit dem Kajalstift einen unmotivierten Lidstrich. Ich nehme irgendwas aus dem Schrank (Jeans, T-Shirt) und bin schon während des Anziehens auf dem Weg in die Küche. Kaffee mahlen – ein Geräusch, das ich morgens nur schwer ertragen kann, Bialetti befüllen, Kaffee kochen, Milch erhitzen, versuchen, nebenbei das Chaos in der Küche zu ignorieren und nicht zu viel umzuwerfen (nun ja, es ist früh). Ich denke daran, den Müllbeutel mit runter zu nehmen, dafür hab ich gestern vergessen, Altpapier rauszustellen. Hmpf. Dann eben nächste Woche. Auf dem Weg zur U-Bahn beschleicht mich leise Panik und ich checke mithilfe der Frontkamera des Smartphones, ob ich den unmotivierten Lidstrich auch an beide Augen gemalt habe. Entwarnung.

9:15 – ich komme an der Station an und bekomme in der Bahn auch einen Sitzplatz. Ich habe Kopfhörer drin, kann aber mit dem Kaffee in einer Hand nicht viel machen, also beobachte ich Leute. Mir gegenüber sitzt ein Mädel (ich wette, sie schreibt einen Modeblog) mit einem langen weißen Plisseerock, einem Blumenmustertop, knallorangenen riesigen Kopfhörern und liest ein uraltes „lustiges Taschenbuch“. In einer Hand hat sie einen Kugelschreiber. Macht sie sich Notizen? Ich konnte es nicht herausfinden.  Die alte Dame auf der anderen Seite liest BILD. Ich sehe schlecht, aber die Schlagzeilen gehen. Mega-Star Helene Fischer wird heute dreißig, wird aber oft für älter gehalten. Ich schließe meine Augen besser.

9:35 – Ich bin im Büro, der Kaffee ist alle. Als erstes frühstücke ich eine Banane und einen Pfirsich und sichte währenddessen die inzwischen eingetrudelten Mails. Ich verschicke einen Termin für die knapp vier Wochen Urlaub, die ich gestern gebucht habe und tüte ein paar Dinge ein, bildlich gesprochen, ich tüte hier natürlich gar nix ein, sondern hacke die meiste Zeit auf der Tastatur herum oder klicke hier und da.

11:00 – Ohne Kaffee bringe ich einen langen Termin hinter mich.

12:30 – Es scheint noch Menschen zu geben, denen ich noch nicht erzählt habe, dass ich gestern einen Flug nach Vietnam gebucht habe, das hole ich eben nach. Ich bin eigentlich mit einem Kollegen zum Essen verabredet, der steckt allerdings noch in einem Termin fest. Ich verhungere gleich und hole mir schonmal ein Balisto aus der Snackbox. Die ist neu, seit gestern steht sie da und die Auswahl überfordert alle ein bisschen. Tollerweise ist da auch Studentenfutter drin und es gibt ein paar vegane Fruchtriegel.

13:00 – es geht endlich los, zum Vietnamesen (wie passend). Ich bestelle mein Tofu-Gericht wie immer scharf und zum ersten Mal bekomme ich es auch scharf. Geil. Während wir auf das Essen warten bereiten wir uns auf den Termin am Nachmittag vor, nach dem Essen holen wir uns einen Kaffee auf die Hand, weil, siehe oben. Es regnet ein paar Tropfen, ich glaube aber fest daran, dass es gegen Abend wieder schön wird. Ich sollte recht behalten.

17:30 – Mein Termin um 15.00 dauerte nicht eine, sondern mehr als zwei Stunden. Ich verschiebe meinen theoretisch bereits gestarteten Folgetermin auf Donnerstag und freue mich darüber, zum ersten Mal seit 10:30 länger als ne halbe Stunde am Schreibtisch zu sitzen und ein paar Sachen wegschaffen zu können. Dazwischen noch kurz die Abendgestaltung organisieren. Heute gehts nämlich zum Open Air Kino nach Wilhelmsburg, mit Nike. Wir klären, wo, wann, Nahrungsversorgung und Pulloversituation.

18:30 – ich kriege Appetit und hole mir eine Nektarine aus dem Obstkorb. Vor Feierabend will ich noch zwei wichtige Sachen erledigen. Eine davon beinhaltet leider, dass ich Powerpoint bedienen muss. Hier kommt dann bei mir die perfektionistische Ader durch. Und Perfektionismus und Powerpoint ist echt an vielen Stellen einfach keine gute Idee. Gott sei Dank wurde an der Präsentation schon sehr gut vorgearbeitet, so dass ich wenig anpassen musste.

19:20 – Nach der Präsentation und der anderen Wichtigkeit komme ich sogar noch zu etwas anderem. Ich ziehe eine Aufgabe aus dem „dringend mal erledigen, wenn dafür Zeit ist“ Stapel und schreibe ein paar Mails. Dann drehe ich eine Abschiedsrunde durch alle 11 offenen Browserfenster und finde ich in meiner Facebook Timeline dieses tolle Rezept. Ich schicke mir eine Email mit dem Link an mein Evernote, weil das mit pinterest und dem Bürobrowser nicht klappt und ich keinen Bock habe, herauszufinden, warum nicht.  Schnell vor Abfahrt nochmal den HVV befragen, wie ich auf die Elbinsel komme und hier schonmal langsam Dateien schließen.

20:00 – Feierabend, super Wetter und Abfahrt Richtung Wilhelmsburg, wo mich Nike schon am S-Bahnhof erwartet. Mit dem Bus fahren wir Richtung Open Air Kino in den Zinnwerken. Wir biegen vorher ab um vorher noch schnell was zu essen. Ziemlich naiv, denn es dauert lange und wir sind besorgt, das Kino zu verpassen. Also die Bestellung schnell auf to go umwandeln und plus Gabeln mitnehmen. Auf die Frage, ob wir wohl Ärger kriegen mit dem mitgebrachten Essen im Open Air Kino die Antwort erhalten: „ihr werdet keinen Ärger kriegen. Das sind Hippies, die bilden höchstens ein Plenum“ :)

21:30 – Ohne Plenum, mit Essen und zum ermäßigten Preis (wegen ausverkauft und ungewisser Platzsituation) von sensationellen 3 Euro werden wir eingelassen, erwischen noch zwei gute Plätze, trinken warmes Bier, essen endlich den mitgebrachten Salat mit Zwetschgen und Ziegenkäse (köstlich) und warten unter Barfuss-Folkmusic-Untermalung auf den Start von Oh Boy.

22:00 – geht los. Film ist spitzenmäßig, aber das war uns beiden bereits bekannt. Lohnt sich!

23:30 – jetzt aber schnell, den nächsten Bus sollte man erreichen, wenn man ohne Taxi Richtung Barmbek möchte.

23:45 – Der Bus kommt, die S-Bahn allerdings erst mit 10 Minuten Verspätung. Ich hole die letzten Prozente Akku aus meinem Handy und höre The Thermals über Spotify, parallel lese auf dem Kindle.

00:30 – Am Hauptbahnhof gerade noch so in die U-Bahn nach Hause gehüpft. Ich musste rennen, aber es lohnte sich, denn schon um 00:45 war ich zuhause. Schnell den Kram hier zuende bloggen und dann Licht aus, Gute Nacht!

 

 

 

 

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