So war es in Graz – eine Zuggeschichte, ein paar Urlaubsbilder und Essenstipps

Im Juli war ich 9 Tage in Österreich. Die Reise startete und endete in Wien, der erste Stopp war aber in Graz. Soviel vorweg: es war ganz wunderbar und darf gern jedes Jahr wiederholt werden. Wie sehr mir die Berge eigentlich gefehlt haben, hab ich erst gemerkt, als ich dort war…

Wir schreiben also Ende Juli 2016, es ist der erste Urlaubstag. Ich sitze in einem Zug, der mich von Wien nach Graz bringt. Mein Freund sitzt neben mir, es ist ein wunderschöner, sonniger Tag. Wenn ich meinen Kopf nach links drehe und aus dem Fenster schaue, dann ziehen die Berge an mir vorbei. Ich möchte am liebsten zwischendurch schon aussteigen, so schön sieht es draußen aus.

Es steigen zwei Frauen zu und setzen sich auf die andere Seite des Ganges. Eine ist ca. mitte vierzig, sehr blondiert und sehr stark geschminkt. Es sieht ein bisschen so aus, als hätte sie sich von einem Kind schminken lassen: von allem ein bisschen zu viel, irgendwo zwischen Karneval und Halloween. Die andere ist brünett und sieht etwas jünger aus, was aber auch daran liegen könnte, dass sie nicht so gruselig geschminkt ist wie ihre Freundin.

In wunderschönstem Österreichisch unterhalten sich die beiden, wobei die Blonde mehr und vor allem lauter spricht. Zunächst geht es um ein „Leiberl“, das die Blonde gekauft hat. Zum Glück zieht sie es aus der Einkaufstüte, damit alle etwas davon haben. Es handelt sich um einen äußerst geschmacklosen neonfarbenen Fetzen.

„Sag’s ehrlich, schaut des billig aus? Sag’s ganz ehrlich bitte!“ fragt sie ihre Freundin.
Die verlogene Freundin verzieht kurz das Gesicht, versichert dann aber, dass das nicht billig sei. Das Leiberl wäre perfekt für einen heißen Tag und würde gut zu ihrer blonden Freundin passen. Gut, mit letzterem hat sie irgendwie recht. Wenn das jemand tragen kann, dann sie. Ich schaue unauffällig zu meinem Freund rüber um zu sehen, ob er der Unterhaltung auch folgt. Sein Blick spricht Bände.

Die Unterhaltung wechselt zum Thema Männer und Dating.
„…Der ist schon lustig, hat aber leider ein blödes Gesicht. Der war net fesch. Oder findest du den fesch?“
Die Brünette verneint artig, hält sich sonst aber in der Unterhaltung ziemlich zurück.
Die Blonde erörtert derweil ihren Kriterienkatalog.
„Mittelgroß muss er sein, 1,80m bis 1,85m. Haare, aber keine grauen (die hab ich selber). Nicht zu dünn darf er sein. Der muss mir schon gefallen. Wenn er nur so groß wär wie ich, dann müsste er schon sehr süß sein.“

Leider fahren wir in den Grazer Bahnhof ein und alle steigen aus. Entgegen meiner Hoffnung sehen wir die Blonde während der nächsten beiden Tage nicht in ihrem neon Leiberl in der Grazer Innenstadt wieder. Schade.

Graz ist übrigens sehr süß. Viele Touristen verirren sich nicht hierher, das empfinde ich als sehr angenehm. Alles in allem wirkt Graz ein wenig verschlafen – hier kann man jedenfalls sehr entspannt in den Urlaub starten. Es gibt ein paar Hipster-Lokalitäten, eine hübsche Altstadt und den Schlossberg, den man über viele Stufen erreicht.

Graz

Blick vom Schlossberg

Graz - auf dem Schlossberg

Zum Frühstücken eignet sich das Kunsthauscafé – vor allem, weil man draußen wirklich nett sitzt. Zu empfehlen sind auch noch das Blendend (sehr lecker!) und das Peppone. Hier landeten wir auf gut Glück und mit niedrigen Erwartungen. Die Lage war hervorragend, in der Altstadt, man sitzt nett auf der Straße, direkt neben einer Kirche und es fühlt sich ziemlich nach Italien an. Die Pizza hat mindestens so gut geschmeckt wie bei unserem Lieblingsitaliener in Hamburg – und das will was heißen.

Graz

Streetart in Graz

Außerdem lohnt sich ein Ausflug zum Hausberg, dem Schöckl. Dorthin bringt einen aus der Grazer Innenstadt (Jakominiplatz) ein Bus in ca 40 Minuten bis zur Seilbahnstation St. Radegund. Und von dort die Seilbahn dann auf den Schöckl. Auf einem der vielen Wanderwege kann man dann (See-)Kühe, Landschaft und Ausicht bewundern. Als Belohnung noch eine Portion Käsespätzle und ein Radler. Herrlich.

Seekühe auf dem Schöckl

Aussicht vom Schöckl

Da Graz recht übersichtlich ist, genügen vermutlich zwei Tage um sich alles anzusehen. Bei gutem Wetter sollte man auch das Schloss Eggenberg besuchen. Geht auch bei nicht ganz so gutem Wetter, aber bei Sonnenschein muss der Schlossgarten einfach herrlich sein.

Pfau bei Schloss Eggenberg

Schloss Eggenberg

Nach zwei Tagen Graz ging es für uns weiter an den Attersee. Davon aber ein anderes Mal mehr.

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