Phong Nha-Ke Bang

Phong Nha-Ke Bang wäre auch kein ganz schlechter Bandname. In diesem Fall geht es aber um einen Nationalpark in Vietnam. Geografisch befinden wir uns in der Mitte mit Tendenz nach Nord-Vietnam. Die Grenze zu Laos ist sehr nah. Die nächste Stadt ist Dong Hoi (und die ist seeeehr untouristisch) und man kann auch von dort aus Touren in den Nationalpark buchen. Nach meiner Höllenfahrt im Nachtbus bin ich ja doch mitten in der Nacht an meinem Ziel angekommen: in einem Farmstay eine gute halbe Stunde von Dong Hoi entfernt. Und nach einem ordentlichen Frühstück am Morgen konnte ich auch endlich die tolle Umgebung genießen. Als erstes Stand eine Radtour zum „Pub with cold beer“ an. Trotz Erklärung und kopierter Karte hab ich mich ein paar mal verfahren und bin dann doch irgendwie angekommen. Ich musste zwar außerplanmäßig einen Fluss durchwaten, dafür gab es dann ein leckeres Mittagessen in besagtem Pub.

dörfliches VietnamLandwirtschaft in Vietnam

freundliche Dorfbewohner

Friedhof Vietnam

Außer Fahrradfahren stand natürlich auch wieder meine Lieblingsbeschäftigung auf dem Plan: zu Fuß gehen. Durch die Reisfelder, an Friedhöfen vorbei, durchs Dorf… Bei angenehmen Temperaturen war das eine super Erholung von der kambodschanischen Hitze. Aber das eigentliche Erlebnis in diesen Tagen dort war aber eine Tour in den Nationalpark. Mit Höhlen und Bergen und Dschungel. Man sollte Badebekleidung einpacken, aber auf keinen Fall weiße. Da hätte man ja schon ahnen können, dass es schmutzig werden würde…

Phong Nha Ke Bang Nationalpark

Phong Nha-Ke Bang Nationalpark

Zuerst ging es aber durch den Dschungel und zur Paradise Cave. Das ist eine Tropfsteinhöhle, die man erst vor 10 Jahren entdeckt hat. Insgesamt ist sie über 30km lang, und obwohl ich schon in einigen Höhlen war, so beeindruckt wie die Paradise Cave hat mich bisher noch keine. Als Besucher kann man etwa einen Kilometer weit in die Höhle hinein, es gibt wohl auch geführte Touren, bei denen man noch weiter gehen kann. Das ganze ist schon auf Touristen ausgelegt, mit einem Steg aus Holz und gut ausgeleuchtet. Wir hatten Glück und außer uns waren nicht viele Besucher in der Höhle, so dass es ruhig war und man die besondere Stimmung mitnehmen konnte. Im Phong Nha Ke Bang Nationalpark gibt es noch eine weitere Höhle. Die größte der Welt, Hang son Doong wird auch „the world’s biggest cave“ genannt. Sie ist so groß, dass sie einen eigenen Dschungel hat. Expeditionen dahin sind seit ein paar Jahren möglich, sind aber kostspielig. Etwa $ 3.000 kostet eine 5-Tages-Tour. Aber bitte, schaut euch diese Fotos an! Dann wisst ihr, was ich machen würde, wenn ich mal $ 3.000 übrig haben sollte.

Paradise Cave Vietnam

Paradise Cave Phong Nha Ke Bang Nationalpark Vietnam

Aber erstmal gebe ich mich mit meiner persönlichen kleinen Abenteuer-Höhlen-Erfahrung zufrieden. Aber davor kam das in der Tour angekündigte Ziplining… Ich wusste übrigens nicht, was dieses Ziplining ist und hatte da etwas falsche Vorstellungen. Hätte ich gewusst, dass ich mich an einem Seilzug festgeschnallt von einem hohen Turm in die Tiefe zum anderen Flussufer stürzen muss, hätte ich mir das vermutlich nochmal überlegt. Aber es war halb so schlimm, meine größte Angst war, dass ich meine Brille verlieren könnte. Die hab ich also mit einer Hand festgehalten, mit der anderen Hand ganz fest am Griff und hab Stoßgebete gen Himmel geschickt. Mein Adrenalinlevel war in ungeahnten Höhen als wir von der anderen Seite des Ufers in die dunkle Höhle geschwommen sind. Die heißt tatsächlich „Dark Cave“, weil: kein Licht. Deswegen hatten wir alle Helme mit Stirnlämpchen auf. Einmal in die Höhle geschwommen begaben wir uns dort auf Erkundungstour. (Ohne Guide darf man übrigens nicht in die Höhle, weil man vermutlich nie wieder hinausfindet). Der schmale enge Gang durch die Höhle war nicht nur dunkel, sondern auch matschig. Das fühlte sich lustig an und steigerte sich von Minute zu Minute, bis wir irgendwann knietief durch den Schlamm waten mussten um voran zu kommen und schlussendlich der einzige Weg nach vorne eine Rutsche in ein recht großes Schlammbecken war. Knietief war also nicht mehr, wir lagen alle bis zum Hals in der Schlammkuhle. Der kräftigsten von allen warf sich rücklings in den Schlamm, streckte sich aus wie in einem Floating Becken und fing an „I believe I can fly“ zu singen. Die Akustik in so einer Höhle ist schon ausgesprochen gut, da muss man einfach singen. Das war schon ein ziemlich einmaliges Erlebnis und wurde noch dadurch gesteigert, dass wir alle unsere Stirnlampen ausgeknipst haben. Also um das nochmal zusammenzufassen: eine Gruppe fremde Menschen, ein Guide, ein Schlammbecken, kein Lichtschimmer und kein Mucks. Bis einer Yesterday anstimmte und alle mehr oder weniger gut mitsangen. Gänsehaut! Was für ein tolles Erlebnis!

Leider gibt es keine Fotos aus der Schlammhöhle. Denn beim besten Willen: ich habe 3 Tage später noch Schlammreste an Körper und Brille entdeckt,  diesen Ausflug hätte Smartphone und Kamera nicht überstanden und eine GoPro besitze ich nicht (wer mir eine schenken möchte, meine Adresse findet Ihr in der Rubrik „Über mich“ ;)).

Der nächste Teil der Reise war auch schon der letzte – es ging wieder gen Süden nach Hoi An. Zum zweiten Neujahrsfest für mich in diesem Jahr. Aber davon ein anderes Mal.

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