Kambodscha – Phnom Penh

Nach meinem kleinen Flirt mit dem Tod auf dem Weg zum Bus geht es weiter. Nach den ersten Tagen voll Jetlag, Abgasen, Staub und blutigen Füßen und einem Tag im Mekong Delta ging es erstmal weiter nach Kambodscha. Ob dieser Reiseroutenplan so sinnvoll war, lasse ich mal dahin gestellt, aber da mein Rückflug nach Deutschland auch wieder ab Ho Chi Minh ging und man von dort aus gut und günstig nach Kambodscha kommt, war das auch nicht so ganz falsch. Beachten muss man: möchte man zurück nach Vietnam, so hat man im Optimalfall schon vorher ein sogenanntes „Multiple Entry Visa“* besorgt, sonst wirds problematisch.

Der Bus nach Kambodscha war pünktlich, bequem, hatte Personal, das gut Englisch sprach** und nach der Grenze sogar kostenloses wifi. Zu Beginn wurden erstmal alle Reisepässe eingesammelt, das hätte mich irritiert, wenn ich das nicht vorher schon nachgelesen hätte. Gleichzeitig wurde abgeklärt, ob man ein Visum braucht oder eins hat (ich hatte ein eVisa beantragt. Wenn man eins braucht, dann drückt man dem Mitarbeiter gleich die Dollar für das Visum mitsamt des Passes in die Hand)***. An der Grenze dauert es dann. Lange. Der Mitarbeiter des Busunternehmens gibt bei der Ausreise alle Pässe gebündelt an den Grenzbeamten und man wartet. Und wartet. Und wartet. Ohne wifi und ohne so recht Ahnung, was als nächstes wohl passiert und vor allem WANN. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit (vermutlich war es nur ne halbe Stunde) wurd man nach und nach namentlich aufgerufen und darf ausreisen und ein paar Meter weiter dann nach Kambodscha einreisen. Das ging schneller, obwohl man erst noch sämtliche Fingerabdrücke da lassen musste.Dann war erstmal Mittagspause, für mich gab es bereits in mundgerechte Stücke aufbereitete Ananas. Beim Anblick der Toiletten hab ich dann entschieden, dass ich es noch bis Phnom Penh aushalte. Dort kamen wir dann leider doch mit etlicher Verspätung erst nachmittags an. Am Busbahnhof warteten bereits diverse Tuk Tuk Fahrer auf die Ankommenden. Vom nettesten von allen hab ich mich zum Hotel bringen lassen. Wir haben wirklich nett geplaudert und direkt vereinbart, dass er mich am übernächsten Tag am Hotel abholt und zu den Killing Fields fährt, das hatte ich sowieso auf dem Zettel. Jetzt wollte ich erstmal einchecken, ne Weile liegen und dann die Stadt erkunden. Vom Tuk Tuk aus konnte ich schon sehen, dass Phnom Penh anderes ist, als ich dachte. Grün, freundlich, entspannter als Ho Chi Minh City. Das Hotel war in einer ruhigen Straße inmitten vieler Bäume und mein Zimmer ganz wunderbar. Gartenlage, sehr ruhig, großer Fernseher, funktionierendes Wifi. Ich wollte rechtzeitig zum Sonnenuntergang einen guten Platz mit Blick auf die Stadt ergattern und hatte mir dafür Bar mit Dachterrasse „Le Moon“ ausgesucht. Die war fußläufig auch schnell erreichbar (auch wenn ich da einige Tuk Tuk Fahrer bitter enttäuschen musste).

Le Moon in Phnom Penh

Aussicht! Das Le Moon ist der beste Platz für einen Sundowner. Die Nüsschen gabs gratis dazu.

Sonnenuntergang in Phnom Penh

Ja, das ist dann der Blick auf den Sonnenuntergang über der Stadt. Schön, gell?

In der Bar wurde mir zu meinem Drink mein neuer Lieblingssnack gebracht: ein Schälchen warme, mit allerlei Gewürzen geröstete Erdnüsse. Yum! Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf den Wat Ounalom war ich dann maximal entzückt von Phnom Penh und sehr sehr hungrig. Deswegen hab ich mich schnell auf den Weg gemacht um im „The Vegetarian“ eine große Portion Salt & Pepper Tofu und ein Auberginengericht zu verdrücken.

Phnom Penh

Straßenverkehr läuft hier deutlich entspannter ab als in HCMC

Tag zwei startete mit einem leckeren Frühstück mit Eiskaffee und French Toast im Café Le Point direkt neben dem Hotel und einem Spaziergang zum Zentralmarkt, wo ich ein bisschen Schmuck, Tourikram und Obst begafft habe (#Fruitporn).

#fruitporn

So. Und jetzt weine ich weiter, wenn ich hierzulande in eine Banane beiße. Ehrlich – es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Als nächstes stand der Wat Phnom auf dem Plan. Das Wetter war herrlich, der Spaziergang schön und auch das Straße überqueren verlief entspannt (im Gegensatz zu Ho Chi Minh City winkt einen in Phnom Penh auch mal ein TukTuk Fahrer über die Straße, wenn man unsicher am Rand steht. Und sogar Polizisten, die den Verkehr regeln hab ich gesichtet…). Der Wat Phnom eignet sich hervorragend, um ein bisschen zu verweilen. Drum rum ist ein kleiner Park mit schattigen Bänken und man kann gut Leute beobachten.

Wat Phom

Wat Phnom im Hintergrund, typische Fortbewegungsmittel im Vordergrund. TukTuk Lady?

Tempel

Die Räucherstäbchen in den Tempeln werden zu Ehren der Toten verbrannt. Überall steigt einem dieser typische Geruch in die Nase.

Nach einer Siesta mit noch mehr Eiskaffee und frischen Säften bei „The Shop“ ging es dann nachmittags zum Royal Palace. Das war richtig toll, kaum Touristen, viel Platz, eine wunderschöne Anlage, viel zu gucken und ab und zu trifft man mal einen Affen auf dem Gelände. Der Abend endete mit einem weiteren Sonnenuntergang in einer anderen Bar. Es gibt übrigens fast überall in irgendeiner Form Happy Hour. In meinem Fall „buy one, get one free“ auf Cocktails….

Royal Palace

Palace, Baby. Und ja, es war tatsächlich wenig los. Könnte daran liegen, dass es UNFASSBAR heiß war an dem Nachmittag.

Hier gehts rein

So ein Tor in dieser Farbe und mit Muster hätte ich dann auch gern vor meiner imaginären Einfahrt.

Royal Palace

In einer perfekten Welt hätte der Affe nicht vor einem hässlichen Bauzaun gesessen, sondern auf den Schultern dieser Figur. Tja. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Am nächsten Tag holte mich Li mit seinem TukTuk überpünktlich am Hotel ab und fuhr mich zum Choeung Ek Genocidal Center (besser bekannt als „Killing Fields“) außerhalb von Phnom Penh. Dort gibt es eine sehr sehr gut gemachte Audiotour und man läuft verschiedene Stationen ab. Vielleicht das beeindruckendste Erlebnis meiner Reise. Auf jeden Fall sehr aufwühlend, vielleicht auch meiner ziemlichen Unwissenheit geschuldet. Man lernt sehr viel über die Zeit der Herrschaft der Khmer Rouge und den schrecklichen Massenmord an Millionen von Kambodschanern in den Siebzigerjahren. Ein paar der Massengräber in Cheoung Ek wurden ausgehoben und 5000 Schädel in einer buddhistischen Stupa hinter Glas abgelegt. Im Anschluss ging es noch ins Tuol Sleng Gefängnis in Phnom Penh. Alles in allem ein sehr bedrückender Tag mit vielen Informationen, die ich erstmal verarbeiten musste. Bei der Audio Tour in Cheoung Ek wurden auch Interviews mit Überlebenden abgespielt, die Geschichten haben mich so bewegt, dass ich einen riesigen Kloß im Hals und mehr als eine Träne im Auge hatte. Ich will jetzt auch gar nicht zu viel darüber schreiben, sonden euch lieber dazu ermuntern nach Kambodscha zu reisen (dafür gibts auch noch viele Gründe mehr!) und diesen Ort zu besuchen.

Ein Spaziergang in der Dämmerung durch Phnom Penh lohnt sich übrigens, weil es viel zu beobachten gibt. Sobald es etwas kühler wird treffen sich die die Einheimischen treffen sich im Park oder auf Plätzen zum Sport machen – viel Federball und sowas ähnliches (ohne Schläger, der Federball wird gekickt). Oder sitzen einfach nur auf winzigen Stühlen und essen duftende Currys. Alles ganz entspannt…

Abendliche sportliche Betätigung in Phnom Penh

Abendliche sportliche Betätigung in Phnom Penh

Am nächsten Morgen ging es dann sehr, sehr früh mit dem Minibus nach Siem Reap, der nächsten Station meiner Reise. Adieu Phnom Penh, ich würde gern wiederkommen!

Nach Siem Reap fährt man vor allem, um sich die Ruinen von Angkor anzusehen. Macht euch auf viele Fotos von alten Steinen gefasst, Tomb Raider meets Dschungelbuch.

 

*das ist etwas teurer. Mich hat es 95 EUR gekostet, plus nochmal 35 Dollar für das Visum für Kambodscha. (Dafür musste man für das Kamboscha Visum nicht seinen Reisepass und Bargeld mit der Post irgendwo hinschicken.). Es gibt auch günstigere Möglichkeiten, an ein Visum für Vietnam zu kommen, hierzu bitte googlen. Ich hab den herkömmlichen Weg über die Botschaft in Berlin gewählt, einen DHL Express Brief (versichert) für 10 EUR mit meinem Reisepass, Passbildern und 95 EUR in bar. Nach einer Woche hatte ich meinen Reisepass mit Visum zurück.

**das fiel mir neben der enormen Freundlichkeit der Menschen auch noch auf: fast alle sprechen sehr gut Englisch- Veständigungsprobleme hatte ich in Kambodscha nie, in Vietnam war das schon wieder anders…

*** weil im Internet oft gefragt wird, wo man den in Vietnam an Dollar rankommt und es nicht so einfach zu sein scheint: ich konnte in meinem Hotel in Ho Chi Minh City ein paar Dong in US Dollar wechseln, das war kein Problem. Größere Mengen vermutlich schon eher, ich wollte einfach genug für ein Abendessen und eine TukTuk Fahrt. In Kambodscha selbst kann man US-Dollar übrigens ganz bequem am Geldautomaten abheben, man kann nämlich wählen, ob man Riel oder Dollar abheben möchte. Man möchte Dollar. Wechselgeld bekommt man häufig in Riel, bei kleineren Summen. Man kann auch wild mischen, solange man am Ende auf die ungefähre Summe kommt, wird alles genommen nach meiner Erfahrung :)

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