Kochen nach Jahreszeiten – Hallo Herbst! Veganer Zwiebelkuchen mit Räuchertofu

veganer Zwiebelkuchen mit Räuchertofu und Kümmel

Das schöne Herbstwetter da draußen rief am Wochenende ganz laut „Zwiebelkuchen!“. Aber bitte ohne den Speck und die Sahne und Eier und so. Und Käse sowieso nicht. Da lief mir beim googlen dieses Rezept für veganen Zwiebelkuchen über den Weg. An der Basis hab ich nicht viel verändert, eher an den Feinheiten (Würzung). Dazu gab es Feldsalat mit Trauben und Walnüssen – den hab ich mir selber ausgedacht :)

Ich treffe also die Vorbereitungen. Laufe in vier Supermärkte, um schließlich im vierten die vorletzte Flasche Federweißer* zu ergattern. Trage sie wie ein rohes Ei  aufrecht nach Hause und freue mich. Ich wiege ab. 600 Gramm Zwiebeln und ein bisschen Lauch, kann ja nicht schaden. Aber erstmal den Teig, das ist unkritisch. Normaler Hefeteig, keine großen Gefahren, wenn man sich nicht in den Mengenangaben vertut (aber selbst das kann man hinterher noch korrigieren, räusper). Der Berg Zwiebeln lacht mich an und will geschält werden. Ich dagegen muss gleich weinen. Das tue ich viel und oft und aus unterschiedlichsten Gründen, ich bin eben ein sehr einfühlsamer Mensch (ha!). Vor den Zwiebeln will ich mir allerdings keine Blöße geben und setze mir meine Kontaktlinsen ein, sonst stehe ich das nicht durch. Ich sehe damit schlecht, deswegen kommen sie nur zum Einsatz wenn ich Männer beeindrucken will oder viele Zwiebeln zu schneiden habe (beides eher selten).

Etwa dreiviertel des Zwiebelbergs schaffe ich ohne in Tränen auszubrechen, dann werde ich schwach und muss eine Pause machen. Ein Schlückchen von dem neuen Wein geht schon mal, der Biolek macht das schließlich auch so. Nebenbei wird ein Block Räuchertofu in kleine speckartige Stückchen geschnitten und in einer Pfanne in Öl kross angebraten und beiseite gestellt. Man sollte an dieser Stelle versuchen, nicht zu viele Räuchertofustückchen zu naschen, sonst bleibt für den Zwiebelkuchen zu wenig übrig.

Irgendwer kam auf die Idee beim Kochen die Musik unserer Eltern zu hören und die Rolling Stones singen gerade „Honkey Tonk Woman“ und als nächstes kommen America mit „A horse with no name“. Die Zwiebelringe und die Lauchringe kommen mit Öl in die Pfanne und werden da eine Weile rumgeschwenkt. Dann kommen etwa 1,5 Päckchen Sojasahne dazu. Mit Pfeffer, Salz, geräuchertem Paprikapulver und viel Kümmel abschmecken. Wenn das ganze ein bisschen eingeköchelt ist kann man den Tofuspeck dazugeben. Eigentlich soll man noch etwas Sojamehl für die Bindung dazugeben, wir beschließen aber, dass das nicht notwendig ist, denn die Masse sieht so schon ziemlich gut aus.

Der Teig sollte nach einer Stunde gehen auch so weit sein, dass man in in eine Form bringen kann. Ich hab eine Tarte-Form verwendet, es hätte aber auch eine Springform oder ein Blech sein können. Die Tarteform verwende ich aber viel zu selten und sieht von allen oben genannten auch noch am hübschesten aus. Dann geht alles auf einmal sehr schnell: während „California Dreamin“ aus den Lautsprechern dröhnt verteilen wir mit vereinten Kräften die Zwiebelmasse auf dem Teigboden (es wurde etwas eng, eine Springform wäre möglicherweise doch nicht schlecht gewesen) und schieben alles in den vorgeheizten Ofen, bei 200°C. Bereits nach zehn Minuten sieht der Kuchen aus wie ein Monster, dass seine Masse mal eben aus eigener Kraft verdoppelt hat und den Ofen einzunehmen droht.

Als Kontrast zum Zwiebelkuchen soll es einen Feldsalat mit Walnüssen und Weintrauben und einem Dressing aus Senf, Essig, Pfeffer, Öl und etwas Agavendicksaft geben.

Der Zwiebelkuchen wächst und nimmt eine sehr appetitliche Farbe an. Nach einer halben Stunde und zwischendurch immer mal wieder Bestaunen holen wir ihn aus dem Ofen. Erstmal das Werk von allen Seiten und von oben fotografieren, dann schnell essen. Köstlich! Wirklich ausgesprochen köstlich. Die Speckillusion durch den Räuchertofu ist perfekt und dank ordentlich Kümmel, Salz, Pfeffer und Rauchpaprika ist der Zwiebelkuchen schön würzig. Der neue Wein dazu tut sein übriges und wir verfallen in eine selige Fressstarre. Der Herbst ist wirklich ausgesprochen schön bisher. (Die Reste schmecken übrigens kalt auch ganz hervorragend.)

Und jetzt viel Spaß beim Nachbacken!

*es ist unklar, ob Federweißer vegan ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der informiert sich vorab. Der, den ich gekauft habe ist laut einer Herstelleranfrage aus 2013 vegan, soviel habe ich rausgefunden. Juhu!

3 Kommentare

  • Das klingt lecker! Wir machen, inspiriert von einem Freund, immer einen veganen Strudel. Mit Räuchertofu, Wirsing, Sojasahne… alles eingepackt in Strudelteig! Auch sehr lecker.

  • Zwiebelkuchen ist ja mal so gaaar nix für mich, klingt aber – bis auf die Zwiebelheulerei – nach einer schönen Kochsession. Irgendwann wechselst du aber von der 1. P. Sg. in die 1. P. Pl., das verwirrt mich irgendwie ;-)
    Ach, und der ultimative Zwiebel-schneiden-Tipp, für nicht-Brillenträger allerdings besser geeignet: eine Skibrille aufsetzen! Das wirkt! Aber du wirst mit Sicherheit keine zuhause haben, vielleicht gehts auch mit ner Taucherbrille?
    Liebe Grüße, Goldengelchen

    • andrea sagt:

      #warumichwohlnieeinbuchschreibenwerde

      Äh ja, wir waren zu zweit. aber die Zwiebeln durfte ich allein schneiden ;) Eigentlich gehen Kontaktlinsen immer super, aber die schiere Menge war wohl einfach zu viel…

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