Wenn auch im Urlaub manchmal alles doof ist.

Alleine reisen ist toll, aber nicht immer. Natürlich gibt es Tage, an denen man sich einsam fühlt. Oder überfordert. Oder schlecht gelaunt. Vor allem, wenn mal nichts so richtig klappen will. Deswegen dachte ich, ich erzähle euch heute mal vom schlimmsten Tag meiner Reise durch Vietnam. Und auch den habe ich überlebt und bin zumindest um eine Erfahrung reicher ;)
Meine Odyssee fing damit an, dass mein Flug von Siem Reap nach Kambodscha ganze fünf Stunden Verspätung hatte. Soweit noch nicht problematisch, denn am Flughafen gibt es Steckdosen und ab und an auch mal Internet. Einen Gutschein für ein Abendessen gab es auch noch und ich konnte an einem der klapprigen PCs mit Windows 95 drauf dann doch irgendwie ins Internet und meinem Hotel in Da Nang, Vietnam, eine Email mit meiner voraussichtlichen Ankunftszeit schicken und hoffen, dass es dort irgendwer liest und ich nicht mutterseelenallein nachts in Da Nang am Flughafen sitze und nicht abgeholt werde. Von meinen letzten paar Dollar hab ich mir dann noch ein Eis gekauft und mich nur noch darüber geärgert, dass Moskitos den Weg ins Flughafengebäude gefunden hatten und ich das Insektenspray natürlich im Koffer hatte und nicht im Handgepäck.

zu später Stunde in Siem Reap

 Als ich dann weit nach Mitternacht in Da Nang ankam wartete tatsächlich auch schon ein Fahrer auf mich, der mich zum Hotel brachte. Dort war schon alles verrammelt und verriegelt (mit einem Fahrradschloss…), aber der auf dem Sofa in der Lobby schlafende Hotelangestellte ließ mich dann doch noch herein und in mein Zimmer. Das war übrigens eins der besten, die ich auf der gesamten Reise hatte. Für eine Nacht, bzw. inzwischen eher eine halbe. Aber immerhin, am nächsten Morgen konnte ich noch ein paar Minuten den Meerblick begutachten.

nur einen kurzen Blick aufs Meer riskieren...

Mein Reiseplan sagte aber, ich muss schnell weiter, denn ich hatte bereits im Vorfeld 3 Übernachtungen in dem Nationalpark Phong Nha-Ke Bang gebucht. Wegen meiner Schläfrigkeit oder einer Miskommunikation am Vorabend hab ich leider die Frühstückszeiten verpasst. Aber ich hatte eh nicht viel Zeit, denn ich musste meine Weiterreise abklären. Erfahrungsgemäß wird einem immer am besten an einer Hotelrezeption geholfen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Man muss der Dame zu Gute halten, dass sie es versucht hat, aber die sprachliche Barriere war einfach zu groß. Da half auch mein Zettel mit den Bus Abfahrtszeiten nicht weiter, die ich vorab der Unterkunft im Nationalpark bekommen hatte. Jedenfalls fuhr mich das Taxi nicht zum Busbahnhof, sondern zu einem gammligen Reisebüro Gemüse-und Krimskramsladen mit Schreibtisch in der Ecke mitten in Downtown Da Nang. Auch dort konnte ich erst nach einigem Hin & Her begreiflich machen, dass ich nur in den Nationalpark will, heute, dort bereits eine Unterkunft habe und einfach nur irgendwie dort hin kommen muss. (Keine Tour, keine Hotels, keine Guest-Houses, nicht nächste Woche, nicht morgen, HEUTE). Die Busse, die auf meinem Zettel standen gäbe es nicht und die Züge wären alle restlos ausgebuch, hieß es.
Irgendwie konnte sie mir dann doch einen Platz in einem Bus in die dem Nationalpark nächstgelegene Stadt buchen, der Bus fuhr aber erst am Nachmittag, ich wäre aber „around 8 o’clock“ in Dong Hoi. Das Ticket war ziemlich teuer, aber sei’s drum, ich hatte ja keine andere Wahl. Also hab ich meinen Rucksack in dem zweifelhaften Reisebüro abgestellt und ein bisschen Zeit in Da Nang verbracht, denn bis zur Abfahrt war es noch eine ganze Weile hin.
Erstmal hab ich gefrühstückt und ziemlich viel Eiskaffee getrunken, denn es gab gerade eine Aktion in einer neu eröffneten Cafékette, wo es Kaffee umsonst gab. Dann hab ich noch eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und das schöne Wetter genossen.

Immerhin noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Da Nang mitgenommen

Ein kleines Mittagessen mit Pomelo-Saft (Hammer!) und noch mehr Eiskaffee später warte ich völlig hochgeputscht vom ganzen Koffein und Zucker am Nachmittag mit einem deutschen Rentnerehepaar auf den Bus, der uns nach Norden bringen sollte. Mir wurde noch mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch klargemacht, dass ich in Hue umsteigen muss (switch bus! very quickly!). Aber erstmal nach Hue kommen… Mit einer Stunde Verspätung kam der Bus vorbei, wir stiegen in einem waghalsigen Manöver am Straßenrand ein und ich suchte mir einen der wenigen freien Pätze. Es stank bestialisch nach Abgasen und es gab keine Toilette. Die Fahrt nach Hue dauerte ca 3 Stunden. Als ich einfach jedem, der zum Bus zu gehören schien nach dem Aussteigen in Hue „Dong Hoi“ mit fragendem Gesichtsausdruck entgegenmurmelte wurde ich dann einfach wieder auf ein Motorradtaxi gesetzt. Ohne Helm ging es um drei Ecken bis zum nächsten Bus. Und wenn ich gedacht hatte, dass dieser unbequeme und nach Abgasen stinkende Bus schlimm ist, dann hatte ich einfach noch keine Vorstellung von dem, was mich im Night Bus erwarten würde… Es war schon 19:00 und von Hue nach Dong Hoi noch etwa 3 1/2 Stunden, wenn man direkt durchfährt. Von dort nocheinmal mindestens eine halbe Stunde mit dem Taxi zur Unterkunft. Eigentlich hatte ich der Nationalpark-Unterkunft angekündigt, dass ich gegen 20.30 ankommen würde (weil ich der Frau im Gammelreisebüro geglaubt hatte). Ich wurde also in den Night-Bus geleitet, mir wurde leicht unfreundlich bedeutet, dass ich sofort meine Schuhe ausziehen muss und mir wurde eigens dafür eine gelbe Plastiktüte in die Hand gedrückt. Dann wurde mir ein Bett/Sitz zugewiesen. Man muss sich das so vorstellen, dass in dem Reisebus in drei Reihen hintereinander Liegesitze auf zwei Ebenen angeordnet sind. Zwischen den Seitenreihen und der Mittelreihe sind die Gänge. Bilder davon findet ihr hier. Wobei das dort wesentlich bequemer aussieht, als es in Wirklichkeit war. Denn es war die Hölle auf Erden (jaja, ich neige zum überdramatisieren… aber in dem Fall ist das ziemlich nah an der Wahrheit). Dazu kam noch, dass ich Hunger hatte (mein letzten Mahl war ein Eiskaffee und ein bisschen Gemüse mit Reis) und Sorge, dass ich nicht mehr rechtzeitig bei meiner Unterkunft ankommen würde. Außerdem war ich mir noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt ankommen würde, denn der Fahrer fuhr wie der letzte Henker.

Da Nang City

An Schlafen war aus mehreren Gründen nicht zu denken, denn: Neben mir hörte einer meiner Mitreisenden laute asiatische Schnulzenmusik auf seinem Handy. Von vorne wird immer mal wieder (immer wenn man sich einem anderen Verkehrsteilnehmer nähert) gehupt. Und natürlich geraucht, der Gestank macht mich als militanten Ex-Raucher fast wahnsinnig. Ach ja: das Licht geht abwechselnd aus und wieder an, an Lesen ist also auch nicht zu denken. Da ich natürlich in der Mitte und oben sitzliegen muss und links und rechts von mir der Abgrund klafft und der Fahrer fährt wie er eben fährt wird mir ziemlich schlecht. Direkt über mir war die Klimaanlage, die ziemlich willkürlich zwischen eiskalt und heiß wechselte. Zwischendurch hielten wir immer mal wieder für gefühlte Ewigkeiten und es tat sich erst rein gar nichts, dann stieg jemand zu und es ging weiter. Bald waren alle Plätze belegt und die Zusteigenden machten es sich auf dem Boden in den Gängen bequem. Internet gab es natürlich auch nicht*.  Zusammenfassend: ich war müde, mir war speiübel, meine Laune wurde stetig schlechter und ich wollte eigentlich nur noch nach Hause (im Sinne von: nach Hamburg).

Alles voller Bötchen in Dong Hoi

Über den Dächern von Dong Hoi

Immer wenn ein zum Bus gehörender Angestellter an mir vorbeilief habe ich ihm mit einem fragenden Blick „Dong Hoi?“ entgegengemurmelt. Ich wusste, dass der Bus nach Hanoi fuhr (klingt so ähnlich, ist aber noch viel weiter entfernt) und wollte sicherstellen, dass ich auch in Dong Hoi aussteigen darf. Durfte ich. Kurz vor Mitternacht wurde mir dann endlich ein Signal gegeben, dass ich doch schonmal nach vorne kommen soll (gar nicht so einfach, schließlich lagen überall Menschen auf dem Boden rum) und mich auf das Treppchen neben dem Beifahrer setzen soll. Ich werde also an einem Hotel rausgelassen, wo jemand anderes einsteigt und meinen freigewordenen Platz einnimmt. Eine kleine, junge und unglaublich freundliche Vietnamesin empfängt mich, sie betreibt das Hotel und spricht sehr gute Englisch. Sie bittet mich herein, bietet mir einen Platz an und bringt mir einen Tee. Ich erzähle ihr, wo ich noch hin muss und sie ruft mir einen Fahrer und erklärt ihm auch, wieviel es kosten darf (das wusste ich aus den Infos von der Unterkunft). Wir plaudern ein bisschen über meine Erfahrungen im Höllenbus und sie fragt, warum ich nicht mit dem Zug gefahren bin. Wollte ich ja! War ausgebucht, als ich online geguckt hatte und laut der Frau in dem „Reisebüro“ war da ja auch nichts zu machen. Sie lacht nur und winkt ab.  Online funktioniert nicht, das stimmt nie und ist außerdem teurer. Es gibt noch genug freie Plätze, ob sie mir denn ein Zugticket für die Rückfahrt besorgen soll? Sie würde das alles regeln und ich kann das dann bei ihr abholen, wenn ich in ein paar Tagen wieder Richtung Süden fahren will. Ihr glaubt gar nicht, wie glücklich mich das gemacht hat. Ich hatte eh noch eine Nacht in Dong Hoi eingeplant und wie es der Zufall will in eben diesem Hotel (was ich übrigens sehr empfehlen kann. In Dong Hoi selbst gibt es allerdings nicht viel zu sehen, das ist eher was für die Durchreise würde ich sagen). Ich habe also das Zugticket beauftragt (ich musste es noch nicht einmal sofort bezahlen) mich 1 Million Mal bedankt und mich dann ins Taxi Richtung Nationalpark gesetzt. Dort im Guesthouse angekommen wurde ich nur schnell in mein luxuriöses Zimmer gebracht, Check in wurde auf den nächsten Tag verschoben. Alles war gut. Am nächsten Morgen konnte ich dann die wundervolle Aussicht auf die Reisfelder bewundern und ein üppiges Frühstück zu mir nehmen.

Ausblick am nächsten Morgen - Ende gut, alles gut.

Ende gut, alles gut. Aber ob ich nocheinmal in meinem Leben Nachtbus in Vietnam fahre, das bezweifle ich ganz stark.
(Die Zugfahrt zurück war übrigens super. Tolle Aussicht, nur eine Stunde Verspätung, recht gemütliche Sitze und ziemlich leer. Und deutlich günstiger als die Busfahrt…).
*das ist tatsächlich eher ungewöhnlich, denn üblicherweise gibts an jeder Ecke free wifi.

3 Kommentare

  • Elisa sagt:

    Uff, klingt tatsächlich nach einer wilden Irrfahrt. Ich war leider in Vietnam nur ziemlich begrenzt unterwegs und hatte auch nirgends wirklich viel Zeit, bekomme aber trotz Horror-Bus-Story gerade wieder massig Lust auf Südostasien.

    Solche Erlebnisse werden nach meiner Erfahrung mit der Zeit aber immerhin zu lustigen Stories, die man halt so erlebt hat. :)

    Liebe Grüße, Elisa

  • […] untouristisch) und man kann auch von dort aus Touren in den Nationalpark buchen. Nach meiner Höllenfahrt im Nachtbus bin ich ja doch mitten in der Nacht an meinem Ziel angekommen: in einem Farmstay eine gute halbe […]

  • […] gewesen. Eine Reise storniert. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Diese Busfahrt in Vietnam, den verstauchten Knöchel, ein Wiedersehen mit jemandem aus der Vergangenheit (denkt euch […]

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