Der Mann schläft

Sibylle Berg hat ein Buch über Liebe geschrieben*. Und ich habe es gelesen. Das ist deswegen seltsam, weil ich  zum einen Bücher über Liebe eher vermeide (es sei denn, sie wurden von Herrn Murakami geschrieben), zum anderen habe ich noch nie ein Buch von Sibylle Berg gelesen. Irgendwie hielt ich sie immer für schwierig – keine Ahnung warum, ein diffuses Bauchgefühl. Jedenfalls bin ich begeistert von jenem Buch. Ein schönes Weihnachtsgeschenk für psychisch stabile Misanthropen und vermutlich die beste Beschreibung von Liebe zwischen Mann und Frau, die ich je gelesen habe.

Ich war alt genug zu wissen, dass es Glück ist, einen zu treffen, den man so gern hat, dass er einen nie stört.

Nun also dieses Buch über die Liebe. Und über Einsamkeit. Und Verlust. Über die Handlung möchte ich gar nicht viel schreiben, denn für mich war sie ohnehin nebensächlich und störte mich auch in Teilen (Wenn sie in die Absurdität abdriftete). Denn irgendwie war mein Bauchgefühl, Sibylle Berg könnte schwierig sein nicht ganz unbegründet. Die Einsamkeit der Frau, die Liebe zu dem Mann – oder das von ihr beschriebene Gefühl, dass Liebe sein muss, all das ist mir ziemlich nahe gegangen und war gerade gegen Ende des Buches kaum auszuhalten.

Nie würde man aufhören, miteinander zu reden, nie sich nicht berühren und unendlich fühlen. Denkt man und vergisst es doch, wenn man sich trennt, nebeneinanderstehend, als hätte man sich nie gesehen, noch nicht wissend, dass bereits die nächste Liebe nur noch ein Schatten der ersten sein wird.

Teilweise ist es mir zu negativ, zu bitter. Dann erschrecke ich mich, weil ich mich in der misanthropischen Protagonistin auf einmal erkenne. Und dann wiederum so viele Sätze, die ich mir gerne merken will. Die sich mir am besten ins Gehirn einbrennen sollten – ersatzweise nutze ich die Markierfunktion auf dem Kindle auf jeder zweiten Seite.

Meine Liebe wuchs durch die Großzügigkeit des Mannes, mit der er mich tun ließ, was ich wollte. Ich hielt es für die höchste Stufe der Entwicklung, zu der ein Mensch befähigt war, wenn er Großmut besaß und einen anderen nicht von seinem Lebensentwurf überzeugen musste.

Der Mann schläft** ist kein Gute Laune Buch. Aber ein Buch mit so vielen klugen Gedanken, dass ich sofort noch mehr Sibylle Berg lesen möchte. Und mich aber gleichzeitig gerade ziemlich einsam fühle. Witzig war das Buch aber auch. Teilweise wechselten Tragik, Sarkasmus und Komik so wild und schnell, dass ich etwas irritiert war. Irritiert, aber gut unterhalten.

Dann ging der Mann, und ich versuchte das Haus warm zu bekommen, ich molk die Kühe, was ohne Kühe natürlich kompletter Unsinn war.

 

*Und das hat sie schon 2009 getan. (und vermutlich hat sie auch noch mehr als ein Buch über die Liebe geschrieben) Krass, dass ich erst jetzt darauf gestoßen bin. Möglicherweise wäre mir viel erspart geblieben. Oder es hätte alles noch schlimmer gemacht – eins von beidem.

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