Botanischer Garten Madrid & Retiro Park. Ein Herbstspaziergang.

Ich bin am frühen Nachmittag und bei bestem Wetter in Madrid gelandet. Es ist Ende Oktober, kurz vor Halloween. Die Schaufenster von Bars und Geschäften sind mit Spinnenweben dekoriert. Trotz des sonnigen warmen Wetters lässt sich der Herbst nicht leugnen, schließlich ist er nicht gerade subtil – er schmeißt ja geradezu mit Farben um sich (und mit Blättern) und dieses besondere Licht, kurz bevor es (viel zu früh) dunkel wird, lässt einen Zweifel zu. Bei gutem Wetter bin ich ja sehr angetan vom Herbst, vor allem von den Farben.

Um noch was vom eben so einem schönen Wetter zu haben mache ich mich nach kurzer Eingewöhnung in meinem Urlaubs-Apartment auf den Weg zum botanischen Garten. Der heißt richtig „Real Jardín Botánico de Madrid“ und ist im Herbst bis 19.00 geöffnet. Ich war am späten Nachmittag da und fast allein. Perfekt. Dafür zahle ich gern die drei Euro Eintritt und mäandere* durch laubbedeckte Gänge, um kleine Brunnen, an Beeten vorbei. Sofort kommt mir der Begriff „morbider Charme“ in den Kopf, denn auch hier ist der Herbst spürbar – welke Blüten, laubige Sträucher, Pflanzen, die ihre schönsten Tage für dieses Jahr längst hinter sich haben. Noch dazu ist es fast menschenleer im Botanischen Garten, fast schon gespenstisch**.

Botanischer Garten Madrid

Botanischer Garten Madrid im Herbst

Herbst im Botanischen Garten, Madrid

Nach dem welken Gewächs haben manche auch ihren großen Auftritt. Ist er nicht wunderschön? Ich frage mich, warum nicht auf jedem Stillleben ein Kohlkopf ist.

pittoresker Kohl im Botanischen Garten in Madrid

Herbst im Botanischen Garten, Madrid

Es sieht sogar so aus, als würden sich die Palmen herbstlich verfärben.

Herbstpalme in Madrid

Botanischer Garten Madrid

Botanischer Garten Madrid

Im Tropenhaus dann wieder völlige Jahreszeitenlosigkeit. Palmen, Farne, Monstera, Sukkulenten, alle Hipsterpflanzen sind vertreten (nur den Bubikopf hab ich nicht entdeckt. Aber seine Zeit wird kommen, denkt an meine Worte.).

Kakteengarten im Botanischen Garten Madrid

Im Anschluss an den Besuch im Botanischen Garten sollte man gleich noch einen Abstecher in den Retiro Park machen, der ist nämlich nicht weit. Und wunderschön. Dort war es mit der Einsamkeit vorbei – zumindest bei meinem ersten Besuch bei bestem Wetter. Entspannte Menschen im Chillax-Modus, die die letzten Sonnstrahlen des Tages einfangen, Bötchen fahren oder einfach nur spazieren. Der Park lohnt sich übrigens auch bei eher mittelgutem Wetter. Zumindest im Herbst – das Schmuddelgrau des Himmels lässt das bunte Laub noch viel intensiver leuchten. Dann bekommt die Luzifer-Statue auf dem Brunnen des Ángel Caído (gefallener Engel) auch eine angemessene Dramatik.

Bäume im Retiro Park Madrid

Und nicht den Kristallpalast vergessen, der ist außerordentlich pittoresk, auch wenn ich leider wegen des mittelguten Wetters nicht hinein konnte (geschlossen wegen Regen. möp.).

Palacio de Cristal - Kristallpalast

Herbst im Retiro Park Madrid

Herbststimmung im Retiro Park Madrid

Auch wenn es für manche vielleicht komisch klingt, dass ich nach Madrid fahre und als erstes dort den botanischen Garten und den Park besuche – ich finde das ganz großartig. So sehr ich Städte liebe, ich mag vor allem auch die Oasen in der Stadt. Egal ob Hyde Park in London, Central Park in New York,  Parc Güell in Barcelona, Vondelpark in Amsterdam, Villa Borghese in Rom, Englischer Garten in München und natürlich Planten un Blomen hier in Hamburch – alle sind für mich Highlights. Besonders spannend finde ich nämlich, zu sehen, wie sich die Bewohner der Stadt in der ich mich gerade aufhalte von ihrer Stadt erholen und Kraft tanken. Deswegen empfehle ich euch dringend einen Besuch im Retiro Park und auch der Botanische Garten in Madrid kann sich sehenlassen.

Seid ihr auch Fans vom Park-Tourismus? Oder bin ich hier die einzige?

 

*das wollte ich schon immer mal schreiben
**passt ja zu Halloween

Sag doch was!